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"Der Verein" macht sich stark für Menschen mit Behinderung

Erstes Gruppenfoto der Paul-Moor-Schule
Fahrzeuge des Fahrdienstes früher

Was heute selbstverständlich erscheint, war seinerzeit eine große Aufgabe, denn diese Personengruppe trat nach dem Holocaust im Dritten Reich erst allmählich wieder in Erscheinung. Durch die hartnäckige Initiative einzelner, gut vernetzter Personen im damaligen Landkreis Bersenbrück entstand die Idee, einen Verein zu gründen.

Die Kirchen wussten spätestens von ihren „Fürsorgerinnen“, dass Familien in Not waren, weil einige Angehörige sie überforderten. In den Schulen gab es Kinder, die einfach nicht mitkamen, für die es zu wenige spezielle Förderangebote gab. Die Ärzte kannten viele Menschen, die nicht angemessen betreut wurden, auch das Amtsgericht wusste um die Problematik. Der seinerzeit noch selbstständige Landkreis Bersenbrück wollte sich seinem Versorgungsauftrag stellen, und die Kreissparkasse satzungsgemäß dem Gemeinwohl dienen. Es herrschte Aufbruchsstimmung in der Gründungsversammlung: katholische und evangelische Kirchenvertreter, Schulrat und örtliche Schulleitungen, der Oberkreisdirektor, die Sparkassendirektoren, ein Rechtsanwalt und eine Ärztin aus der Region beschlossen in der konstituierenden Sitzung konkrete Schritte zur Umsetzung des Vereinszwecks der Heilpädagogischen Hilfe Bersenbrück.

Mit großem Enthusiasmus ging man daran, „den Verein“ in der Bevölkerung bekannt zu machen. Der ehrenamtliche Vorstand mobilisierte unter starkem persönlichem Engagement viele Kräfte und gewann zeitweilig über 1000 Mitglieder.

Im Februar 1970 wurde dann in der Liebigstraße als erste Einrichtung der Heilpädagogischen Hilfe Bersenbrück die Tagesbildungsstätte für 60 Schulkinder mit angeschlossener Kindergartengruppe eröffnet. Damit kam ein Stein ins Rollen, der sich nicht mehr aufhalten ließ. Die Nachfrage war riesengroß und wurde immer differenzierter. 1975 wurde die Werkstatt für Menschen mit Behinderungen eröffnet, 1978 die Frühförderung, 1981 das erste Wohnheim und die Autismusambulanz. 1985 verselbständigten sich Sprachheilkindergarten und Heilpädagogischer Kindergarten, und so ging es immer weiter.

Viele Angebote für Menschen mit Beeinträchtigungen sind seitdem entstanden, immer spezieller und dezentraler wurden die Einrichtungen. Die Grundidee ist aber geblieben: Menschen mit Beeinträchtigungen sollen im nördlichen Landkreis Osnabrück eine bestmögliche Förderung und Unterstützung erhalten. Natürlich muss erst einmal der Staat dafür sorgen, doch im wirklichen Leben kommt es auf die Menschen an, die sich darum kümmern. Und die dabei vielleicht das Quäntchen mehr ermöglichen, wie es die HpH seit 50 Jahren mit Leidenschaft und Kompetenz verfolgt. Das erlebte Wohlwollen in der Bevölkerung ist dabei weiterhin eine wichtige Voraussetzung. In Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Text: Guido Uhl / Geschäftsführer, Hildegard Südkamp / Pädagogische Sprecherin