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Arbeiten auf dem Reiterhof Brackmann

06.06.2016

Alternative Arbeitsplätze auch für Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf

Seit einem Jahr arbeiten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bersenbrücker Gemeinnützige Werkstätten GmbH tageweise auf dem Pferdehof von Familie Brackmann in Gehrde. Maike Ellerbrock, Schwester von Hofbesitzerin Maren Brackmann, fädelte die Beziehung als HpH-Verwaltungsmitarbeiterin ein, um den Beschäftigten der Werkstätten auch interessante Arbeitsplätze mit Tieren zu ermöglichen. Hieraus ist eine Beziehung entstanden, die sich zu einem beiderseitigen Gewinn entwickelt hat.

„Flip, Kleiner Onkel, Emilie, Guipargo, Odin, Toby, Sammy und Briska“ – Geduldig zählt Margret Tobaschus die Namen der Pferde auf, die Maren Brackmann zusammen mit ihren Eltern Hermann und Elisabeth auf ihrem Reiterhof halten. Auch Pensionspferde anderer Besitzer sind hier beherbergt, die in den großzügigen Stallungen, in der eigenen Reithalle und auf den weitläufigen Weideflächen für den Pferdesport bereit stehen. „Wir füttern die Tiere, pflegen das Zaumzeug, fegen die Stallgassen und den Hof, befreien die Ausläufe und Koppeln von Pferdeäpfeln und harken im Winter den Hufschlag im Boden der Reithalle zurück“, erklärt Kerstin Schmitz, die als Fachkraft für Arbeits- und Berufsförderung für die Betreuung der beeinträchtigten Menschen zuständig ist. „Allerdings ist das je nach Jahreszeit natürlich auch unterschiedlich“, ergänzt Brigitte Knüppel als zweite Betreuungskraft. Im Winter werde mehr in den Stallungen und in der Reithalle gearbeitet, während in der Frühjahrs- und Sommerzeit eher Arbeiten im Außenbereich anfallen.

Aber auch die direkte Pflege der Pferde falle in den Arbeitsbereich, den die Mitarbeiter der Bersenbrücker Werkstätten betreuen, so Brigitte Knüppel. Hier sei nicht nur das Striegeln und putzen der Verleih- und Pensionspferde zu nennen, auch die Betreuung der vier Hofhunde Aenne, Jule, Ciska und Dolle gehöre zu den Aufgaben. Mit einem langen und tiefen „Ja“ bestätigt Mitarbeiterin Karin Pösse diese Beschreibung ihres Arbeitsbereichs. Allerdings weist die junge Frau auch auf Fritzi hin – eine in die Jahre gekommene Ziege, die zwischen all den Pferden ebenfalls auf dem Reiterhof lebt.

Elisabeth Brackmann, Mutter von Hofbetreiberin Maren Brackmann erzählt aus der Geschichte des Betriebs. „Bis Anfang der Neunziger waren wir ein ganz normaler Bauernhof mit Schweinen und Kühen. Zudem betrieben wir seinerzeit einen Ferienhof, auf dem Menschen Urlaub auf dem Bauernhof verbringen konnten.“ Doch dann brannte im Jahr 1991 das bäuerliche Anwesen ab und Familie Brackmann stand von heute auf morgen vor dem Nichts. „Aber wir sind neu angefangen“, fasst die heute rüstige Seniorin selbstbewusst zusammen und blickt stolz in die Stallungen, in denen heute ihre Tochter den Pferdehof betreibt. Auf die Frage, wo der Gewinn ihrer Beziehung zur Heilpädagogischen Hilfe aus Bersenbrück für Familie Brackmann liegt, lächelt Seniorchef Hermann Brackmann gelassen. „Ganz einfach – dann brauchen wir das nicht alles machen“, bringt es der Rentner auf den Punkt. Die 6köpfige Truppe aus den Bersenbrücker Gemeinnützigen Werkstätten komme immer montags vormittags, und das habe auch so seinen Sinn. Am Wochenende sei immer viel los auf dem Reiterhof, dann sind Stallungen, Hof und auch die Tiere meist in einem pflegebedürftigen Zustand. Ein Nutzen also tatsächlich für beide Seiten und zudem noch inklusiv. Schließlich kommen auf dem Hof Brackmann viele Menschen, die ihre Pferde dort in Pension untergebracht haben und mit dem Thema Behinderung an sich eigentlich nicht in Berührung kommen.

 

Text und Bilder: Martin Heimbrock