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Die Lust und den Mut haben, Dinge anders zu tun

25.09.2017

Ben Furman, Dr. phil. Angela Eberding und Martin Fellacher auf dem Fachtag „Wirklich Wirksam Werden“ der HpH.

Alle unter einem Dach: die Experten des Fachtages. v.l. Gabriele Markus, Ben Furman, Ruth Tillner, Martin Fellacher und Dr. Angela Eberding.

Bereichsleiterin "Kinder und Familie" Gabriele Markus eröffnete den Fachtag.

Ben Furman, international bekannter Psychiater und Psychologe, brachte dem Publikum die "Ich schaffs"-Methode näher.

Der unterhaltsame Vortrag Furmans brachte die Zuhörer zum lachen und staunen.

Dr. Angela Eberding und Martin Fellacher sprachen über Neue Autorität und interkulturelle Herausforderungen in der Pädagogik.

Was bestimmt eine Haltung? Was unterstützt oder behindert sie? Gibt es die eine, richtige Haltung? Und ist Haltung erlernbar? Für diese übergeordneten Fragen gab es auf der HpH- Jubiläumsveranstaltung des Bereichs Vorschulische Förderung und Ambulante Diagnostik/Therapien sehr direkte Antworten. Und zwar für jede Teilnehmerin und jeden Teilnehmer ganz persönliche. Denn jeder dürfte die Veranstaltung und die dort erhaltenen Impulse anders erlebt haben.

Charismatisch, erfrischend einfach und mit jeder Menge Humor im Gepäck trat Ben Furman aus Finnland aufs Rednerpult. Er stellte eine systemische und lösungsorientierte Methode vor, um Kindern (aber auch Erwachsenen, wie er häufiger betonte) Handlungsmöglichkeiten an die Hand zu geben, neue Fähigkeiten zu erlernen. Denn wenn man im Leben an irgendeinem Punkt nicht weiterkommt, so Furman, dann gilt es nicht, wertvolle Energie darauf zu verwenden, sich zu überlegen, warum etwas nicht funktioniert, sondern sich ganz schnell folgende Fragen zu stellen: Was gibt es, was man schon gelernt hat, was kann man alles? Und welche Fähigkeit möchte man noch lernen? Blitzschnell ist die Motivation eine ganz andere. Über neue Fähigkeiten zu verfügen, die man anderen zeigen kann, auf die Menschen, die einem wichtig sind, mit einem selbst zusammen stolz sind, ist ein wertvoller Schatz, für den vermutlich jeder bereit ist, etwas zu tun. Die nächsten Schritte mit viel Kreativität zu gehen, ist von diesem Ausgangspunkt aus, viel leichter. Fähigkeiten machen Spaß, sie verdienen es, einen coolen Namen zu bekommen, sie eignen sich, mit einer sogenannten „Kraft-Figur“ in Verbindung gebracht zu werden. Wenn man sie erlernt hat, kann man sie feiern, mit Menschen, die im eigens eröffneten, imaginären „Fanclub“ sind. Diese und weitere Schritte umfasst Furmans Methode. Er stellte sie allesamt, 15 an der Zahl, in seinem Vortrag vor. Dank der vielen spannenden Geschichten, die er bei der Umsetzung seiner Methode erlebt hatte und zum Besten gab, kam innerhalb der zwei Stunden nie Langeweile oder Langatmigkeit auf.

Welche Stärke die Methode der „Neuen Autorität“ in sich trägt, brachten Dr. phil. Angela Eberding und Martin Fellacher in ihrem Gemeinschaftsvortrag zum Ausdruck. Eindrucksvoll zeigten sie, dass es in schwierigen Situationen stets eine Handlungsalternative gibt, die weder auf Macht noch auf Ohnmacht basiert. So stellten sie Handlungen der Herkömmlichen Autorität und der Laissez-Faire Erziehung echte Alternativen entgegen: „Präsenz und Beziehung“ statt „Distanz“ oder „Distanzlosigkeit“ zählen dazu ebenso wie Versöhnungsgesten bei nicht wünschenswertem Verhalten statt mit Distanz oder Ignoranz zu reagieren. Auch dass man einem Konflikt mit Verzögerung und Beharrlichkeit begegnet, z.B. sagt: „Wir haben jetzt keine Lösung, wir kommen darauf zurück“ ist eine Handlungsalternative zur unmittelbaren Bestrafung oder dem einfachen Weglassen irgendeiner Konsequenz.

Die „Neue Autorität“ ist eine echte Herausforderung für Familien, die aus patriarchalen Systemen stammen und oft keine Alternative zur traditionellen Autorität kennen. Aber auch für Familien, die das „Wohl“ des Kindes über alles stellen und sich hilflos fühlen, wenn es sich destruktiv verhält, ist die „Neue Autorität“ keine einfache Übung. Beide Referenten, die auch viel im Ausland mit der Methode gearbeitet haben, gaben wichtige Einblicke in die Praxis.

Insbesondere beim Abschluss-Forum, das von der Leiterin des Systemischen Instituts Bramsche, Ruth Tillner, moderiert wurde, kam noch einmal deutlich zum Ausdruck, dass sämtliche vorgestellten Methoden einfach und nachvollziehbar sind. Die Kunst liegt, wie so oft im Leben, in der Anwendung. Und hier hat jeder Teilnehmer und jede Teilnehmerin die Möglichkeit, seine eigene Persönlichkeit und Fähigkeiten mit einfließen zu lassen, um die Kommunikation mit den Kindern oder Klienten gelingen zu lassen.

Das Schlusswort der Veranstaltung erhielt Ben Furman, der darauf hinwies, dass er auch in seiner Ehe immer die letzten Worte sagen dürfte. Diese lauten: „You are right, darling!“ („Du hast Recht, Liebling!“).

Text: Claudia Casamento