Sie befinden sich hier:

Dritter Sportabzeichen-Tourstopp im Zeichen der Inklusion

22.06.2016

Beim dritten Stopp der Sportabzeichen-Tour am 10. Juni im niedersächsischen Bersenbrück stand das Thema Inklusion im Mittelpunkt. Beste Bedingungen in Bersenbrück für das Ablegen des Deutschen Sportabzeichens Petra Böske (hi. mitte) von der Heilpädagogischen Hilfe Bersenbrück berät den Kreissportbund Osnabrück in Sachen Barrierefreiheit.

Basketballpielen im Rollstuhl konnten auch nicht behinderte Kinder ausprobieren. Frank Busemann stoppte die Zeit bei den Schwimmprüfungen und gab Tipps. Beim Laufen hatte Busemann auf den ersten Metern das Nachsehen. Trimmy war schneller aus dem Startblock gekommen.

Alle Fotos: Treudis Nass

Strahlend blauer Himmel und mit 15 Grad optimale Voraussetzungen für das Ablegen des Deutschen Sportabzeichens – besser hätten die Rahmenbedingungen für das inklusive Sportfest in Bersenbrück nicht sein können. Den Promi-Lauf über 800-Meter haben am Mittag zwei Schülerinnen als inklusives Buddy-Team gewonnen. Sie kamen vor den prominenten Sportlern ins Ziel. Das Publikum in Bersenbrück jubelte. Ab 8 Uhr morgens nahmen Prüferinnen und Prüfer die Disziplinen für das Deutsche Sportabzeichen für Menschen mit und ohne Behinderungen ab, der Vormittag war für Schulen und Werkstätten reserviert.

Rund 1.600 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren dabei, davon 1.300 Schülerinnen und Schüler. Optimale Voraussetzungen schaffen Petra Böske, von der Heilpädagogischen Hilfe Bersenbrück und Mitglied im Organisationsteam, hatte im Vorfeld des Tourstopps jede Menge zu tun, um dafür die richtigen Voraussetzungen zu schaffen. Sie beriet den Kreissportbund Osnabrück in Sachen Barrierefreiheit. „Im Carl-Hemke-Stadion war es bisher unmöglich, mit einem Rollstuhl in den Stadion-Innenraum zu kommen. Der Durchgang musste an eine Stelle verlegt werden, an der man eine Rampe installieren konnte. Außerdem mussten im Vorfeld noch zwei überdachte Trainerkabinen abgeschraubt werden, weil der Weg dorthin für Rollstuhlfahrer sonst zu schmal gewesen wäre“, beschreibt Petra Böske die logistischen Herausforderungen. Sie selbst arbeitet bei der Heilpädagogischen Hilfe Bersenbrück als Abteilungsleiterin für Spenden und Sport und ist als ehemalige Leistungssportlerin in der Volleyball-Bundesliga auch selbst sportlich aktiv.

Sie engagiert sich als Volleyballtrainerin im Kinder- und Jugendbereich, hat aber auch einen Übungsleiterschein für Menschen mit Behinderungen und eine Prüferlizenz für das Deutsche Sportabzeichen für Menschen mit Behinderungen. „Als ich in der Heilpädagogischen Hilfe Bersenbrück anfing war es so, dass bei Benefizveranstaltungen Menschen ohne Behinderungen mit Sportevents Geld gesammelt haben für Menschen mit Behinderungen. Ich wollte das mehr zusammenbringen“, beschreibt Petra Böske ihre Motivation, sich für Inklusion einzusetzen.

Die Heilpädagogische Hilfe Bersenbrück, die nächstes Jahr ihr 50. Jubiläum feiert, ist ein Verein, der unter seinem Dach mehrere Einrichtungen vereint und insgesamt 2.000 Förderplätze für Menschen mit Handicap zwischen 0 und 99 Jahren anbietet. Damit deckt sie den nördlichen Landkreis Osnabrück ab. Mehr Übungsleiter ausgebildet „Am Anfang standen wir vor der Herausforderung, dass viele Sportvereine bei uns zwar auch Menschen mit Behinderungen an ihren Sportangeboten hätten teilnehmen lassen, dafür aber keine Übungsleiter zur Verfügung standen“, berichtet Petra Böske. Deshalb hat sie schon 2011 dafür gesorgt, dass 16 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Heilpädagogischen Hilfe eine entsprechende Qualifizierung als Übungsleiterinnen und Übungsleiter machen konnten.

In diesem Jahr gab es einen zweiten Übungsleiterlehrgang für Sport mit Menschen mit Behinderungen, der für alle offen war und von der Aktion Mensch gefördert wurde. Darüber haben sich noch einmal 14 weitere Übungsleiter qualifiziert. Neue Partnerschaften und Kontakte Inzwischen sind in der Region mehrere Sportgruppen entstanden, die Sport sowohl inklusiv als auch gezielt für Menschen mit Behinderungen anbieten. „Gestartet sind wir vor fünf Jahren mit Behindertenfußball“, sagt Petra Böske. „Mittlerweile gibt es auch Rollstuhlbasketball und einen inklusiven Sportabzeichentreff für Schülerinnen und Schüler mit und ohne Handicap. Hier haben wir eine Idee aus Nordrhein-Westfalen aufgegriffen und Buddy-Teams gebildet. Je ein Schüler aus dem CampHus-Wohnheim für Schüler der Paul-Moor-Schule mit geistigem Handicap und einer vom Gymnasium Bersenbrück sind beim Sport als Team am Start. Inzwischen gibt es davon zehn. Sie sind auch heute hier bei der Sportabzeichen-Tour dabei“, erklärt Petra Böske.

Wenig später konnte sie sich über den Erfolg eines solchen Buddy-Teams beim Promi-Lauf über 800 Meter freuen: Lea Storck (18 Jahre, CampHus) und Rieke Stindt (17 Jahre, Gymnasium Bersenbrück) kamen knapp vor Danny Ecker ins Ziel. Der frühere Weltklasse-Stabhochspringer war als Botschafter der Sparkassen-Finanzgruppe in Bersenbrück dabei. Miriam Höller, Stuntfrau, Model, Moderatorin und Sportabzeichen-Botschafterin für Ernsting’s family hatte spontan ein Buddyteam mit einem Kind im Rollstuhl gebildet und damit Riesenfreude bei ihrem Buddy ausgelöst. Die beiden kamen genau wie kinder+Sport-Botschafter Frank Busemann, Gewinner der Olympischen Silbermedaille im Zehnkampf, nicht aufs Siegertreppchen. Paralympics-Siegerin Kirsten Bruhn gab wertvolle Tipps Als DOSB-Botschafterin für die Sportabzeichen-Tour gab die dreimalige Paralympics-Siegerin im Schwimmen Kirsten Bruhn im Schwimmbecken Kindern mit und ohne Behinderungen entscheidende Tipps für ihre Schwimmprüfungen.

Bersenbrück ist einer von bundesweit insgesamt vier Tour-Stopps mit Schwerpunkt Inklusion. Sie sind Teil eines DOSB-Projekts, das von der Aktion Mensch gefördert und in enger Zusammenarbeit mit dem Deutschen Behindertensportverband und seinen Landesverbänden umgesetzt wird, der für das Deutsche Sportabzeichen für Menschen mit Behinderungen zuständig ist. Auch durch den Deutschen Gehörlosen-Sportverband sowie Special Olympics Deutschland erfährt das Projekt Unterstützung. „Durch Veranstaltungen wie den inklusiven Tourstopp kriegen wir Kinder aus Kindergärten und Schulen ins Stadion, die wir sonst nicht erreichen. Wenn sie hier positive Erlebnisse haben, ist das Deutsche Sportabzeichen für sie auch in Zukunft positiv besetzt“, ist Petra Böske überzeugt. Außerdem entstehen so auch neue Kontakte: Zum Beispiel wird die Heilpädagogische Hilfe im nächsten Schuljahr an der Grundschule Merzen eine Projektwoche im Rollstuhlbasketball anbieten.

Am Ende einer gelungenen Veranstaltung bedankte sich Andreas Dittmer als offizieller Vertreter des DOSB beim gesamten Organisationsteam unter Federführung von Karen Zich vom LSB Niedersachsen und Kersten Wick vom KSB Osnabrück-Land mit allen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern.

 

(Quelle: wirkhaus / DOSB/ vgl auch: https://www.dosb.de/de/sportentwicklung/sportentwicklungs-news/detail/news/dritter_sportabzeichen_tourstopp_im_zeichen_der_inklusion/

Fotos: Treudis Nass)