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Einblicke in die Welt des Theaters - HpH-Nachwuchsschauspieler begeistern mit erster Vorstellung

16.02.2016

Seit knapp einem halben Jahr arbeitet eine Gruppe mehr oder weiniger junger Nachwuchsschauspieler der Bersenbrücker Gemeinnützigen Werkstätten mit der theaterpädagogischen Werkstatt Osnabrück zusammen, um als Menschen mit und ohne Handycap gemeinsam auf der Bühne zu stehen. Und dass dies nicht irgendein wuseliges Amateurprogramm ist, konnten nun die ersten Zuschauer in einer etwa halbstündigen Premierevorführung live erleben.

Fast alles in dem spartanisch eingerichteten Theaterraum erinnert noch an die ersten Übungen, die die Nachwuchsschauspieler der Heilpädagogischen Hilfe Bersenbrück im vergangenen Sommer durchgeführt hatten. Schwarze Vorhänge verdunkeln den etwa 60 Quadratmeter zählenden Raum, während eher grelles Neonröhrenlicht den Besucher beim Eintreten entgegenblendet. Beim Hereinkommen in einen Raum, der am Ende eines langen Ganges liegt, mitten zwischen ehemaligen Bürozimmern irgendwo im Bersenbrücker Industriegebiet.

Bei genauerem Hinschauen erkennt man allerdings doch einige, sehr markante Unterschiede im Vergleich zum letzten Sommer: Hinten stehen drei Reihen bunter Stühle, die den für seinen Einsatz nicht allzu großen Proberaum merklich einengen. Dahinter ist eine Lichtorgel mit bunten LED-Leuchten angebracht und an der Seite neben dem Eingang sitzt eine junge Dame am Mischpult, die die hinter den Vorhängen versteckten Lautsprecherboxen mit Ton und Schall versorgt.

Und dann, als plötzlich alles ganz ruhig wird, schiebt sich der Vorhang seitlich der Bühnenfläche zur Seite und Matthias Caspari betritt die Bühnenfläche, um die ersten Zuschauer zu begrüßen. Nicht nur er als Vertreter der theaterpädagogischen Werkstatt freue sich über das Interesse der Besucher, auch die sogleich startenden Schauspieler haben nach seinen Worten diesen Augenblick ihrer premieren Bühnenerfahrung lange herbeigesehnt. Kurz danach, fast sprichwörtlich „wie am Schnürchen“, kommen dann auch die Akteure auf die Bühne, um ihr minutiös geplantes Programm an Mann und Frau zu bringen: Achim, André, Christina, Eduard, Funny, Franziska, Magitta, Mandy, Martina, Renate, Tanja und Uwe – allesamt Mitarbeiter der HpH-Werkstatt in Bersenbrück. Die Freude und der Spaß am Theater ist ihnen schnell im Gesicht abzulesen, allerdings blinzelt dem ein oder anderen auch eine gewisse Portion Nervosität aus den Augen.

Und sogleich geht es mit einer gemeinsamen tanzähnlichen Choreografie aller Teilnehmer los. „Der gemeinsame Start lockert die Angespanntheit der Schauspieler“, wird später Christian Vox als Projektleiter des über drei Jahre angelegten Theaterangebots nach der Vorführung berichten. Mit weiteren Szenen werden dann Theaterinhalte aufgeführt, die im Vorfeld, und das ist der Theaterpädagogin Liane Kirchhoff sehr wichtig anzumerken, von den Schauspielern selbst erarbeitet wurden. „Hier soll jeder seine individuellen Fähigkeiten und Neigungen einbringen können“, so Kirchhoff, die auf die verschiedenen Theaterschwerpunkte hinweist. So kommen während der Vorstellung vielfältige Darstellungsformen zum Vorschein, die den unterschiedlichen Ressourcen behinderter Menschen entgegenkommen. So ist der eine stärker in der Sprache, während der andere eher pantomimisches Geschick ans Tagselicht bringt und der dritte meist mit seinem körperbetonten Schauspiel glänzt.

Alles in allem haben die HpH-Bühnendarsteller mit ihrer Premiere gezeigt, dass nicht nur Samuel Koch nach seinem fatalen Unfall bei der ZDF-Show „Wetten Dass“ trotz Behinderung über schauspielerisches Talent verfügt. Auch oder vielleicht gerade wegen ihrem Handycap sind Menschen mit Behinderung oftmals besonders gut in der Lage, mit ihrer Persönlichkeit theaterähnlichen Situationen eine besondere Ausdrucksweise zu verleihen. Mit diesem von der HpH inszenierten Theaterkonzept wird zudem ein inklusives Projekt entstehen, bei dem Menschen mit und ohne Behinderung gleichermaßen mitarbeiten werden.

Wer Interesse zum Mitwirken bei diesem interessanten Theaterprojekt hat, kann sich unter der Telefonnummer 05439/9449-57 Christian Vox von der Heilpädagogischen Hilfe in Verbindung setzen. Jeder, ob Mensch mit oder ohne Handycap, ist herzlich willkommen und darf sich einsetzen -entsprechend seinen Neigungen und Fähigkeiten, versteht sich.

 

Text und Bilder: Martin Heimbrock