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„Eintauchen in eine andere Welt – die Welt des Theaters“

31.08.2015

Aufbau einer HpH-Theaterwerkstatt unter Förderung von Aktion Mensch - Erste Impressionen

Auf den ersten Blick wirkt es dunkel, wenn man den neu eingerichteten Proberaum betritt. An den Wänden sind von innen tiefe, schwarze Vorhänge montiert, die den Blick durch die Fenster versperren. Keine fremden Blicke von außen, auch kein Sonnenlicht strömt in den Raum, in dem gerade die ersten Grundübungen zum Theaterspielen stattfinden. Einem Raum, der in einem ehemaligen Bürogebäude im Bersenbrücker Industriegebiet zur Theaterwerkstatt umfunktioniert wurde. Doch es ist ein lebhaftes, wenngleich geordnetes Miteinander von 12 Personen, die in der Mitte des Raumes als Kreis aufgestellt ihre Übungen machen.

In Zusammenarbeit mit der „theater pädagogische werkstatt“ aus Osnabrück, bereiten sich hier Menschen mit und ohne Behinderung auf die Bretter vor, die die Welt bedeuten. Bereits mit zahlreichen Programmen und Tourneen aus unterschiedlichen Bereichen haben sich die Fachkräfte aus Osnabrück bereits einen Namen gemacht. Finanzielle Unterstützung erhält die Bersenbrücker Gemeinnützige Werkstätten GmbH dankenswerter Weise von der Aktion Mensch. Liane Kirchhoff, ausgebildete Theaterpädagogin, beschreibt das Konzept des Projekts: „Wir hatten eine Vielzahl von Bewerbern, die im Alltag hier in Bersenbrück in den Werkstätten arbeiten und bei uns mitmachen wollen. Somit können wir derzeit auf ein Pool von 40 interessierten Nachwuchsschauspielern blicken. Allerdings müssen wir nun in den ersten Trainings erst einmal herausfinden, wer überhaupt für die Schauspielerei geeignet ist und tatsächlich auch langfristig Lust dazu hat“.

Es sei halt eine andere Welt, in der die Schauspielerinnen und Schauspieler eintauchen, wenn sie aus ihrem normalen Arbeitsalltag zu den Proben kommen. Zusammen mit Christian Vox, der als gelernter Tischler und Heilerziehungspfleger bei der Heilpädagogischen Hilfe im Förder- und Betreuungsbereich arbeitet, wurde eine Projektphase von erst einmal drei Jahren geplant. „Wir wollen in dieser Zeit erreichen, dass wir wirklich ein öffentliches Theaterstück in mehreren Akten aufführen werden. Schon mit einem relativ kurzen Zeithorizont von etwa einem halben Jahr haben auch den Ansporn, ein erstes, kurzes Stück aufzuführen“, so Christian Vox. 30 Minuten seien für diese erste Bühnenerfahrung völlig ausreichend.

Verschiedene Theaterschwerpunkte sollen bei dem Theaterprojekt durchlaufen werden. So sollen körperorientierte Theaterarbeit, Schauspieltraining, Improvisationsübungen, Bildertheater oder Stimm- und Ausdruckstraining im Vordergrund stehen. Jeder Teilnehmende soll dabei nach seinen individuellen Fähigkeiten und Neigungen gefördert und ausgebildet werden. Es werden insbesondere Darstellungsformen eingesetzt, die den Menschen mit Beeinträchtigungen entgegenkommen. So wird der sprachliche Ausdruck weniger stark im Vordergrund stehen und der Fokus auf einer körperorientierten Technik liegen, die zeigt, wie jeder Mensch mit seiner Körpersprache kommunizieren kann, in dem er sich öffnet und etwas von sich erzählt. Allerdings soll das ganze Projekt auch Inklusiv sein und Menschen mit sowie Menschen ohne Handycap in Verbindung bringen. So soll der -zunächst über drei Jahre angelegte- Workshop nicht nur aus Mitarbeitern der Heilpädagogischen Hilfe Bersenbrück bestehen.

Personen, die Interesse an einer Mitarbeit dieses inklusiven Projekts haben, können sich unter der Telefonnummer 05439/9449-0 melden um ihr Interesse zu bekunden.

Text und Bilder: Martin Heimbrock