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Feinfühlig und liebevoll mit dem Blick fürs Wesentliche: Éric Besnards Film „Birnenkuchen mit Lavendel“

20.04.2016

Das berichtet unser Team des Autismus Therapie Zentrums über den Film.

Der Film „Birnenkuchen mit Lavendel“ hat uns sehr berührt. Er stellt dem Publikum auf sensible und sehr realistische Weise die Empfindungswelt des Protagonisten Pierre vor. Über die Gegebenheit eines kleinen Unfalls gelangt er mehr zufällig in das Leben von Louise. Sie lebt auf einem Birnenhof in der Provence und kümmert sich seit dem Tod ihres Mannes um den Birnenanbau.

Pierre ist anders, als die Menschen, die Louise bislang getroffen hat. Sehr typisch für Menschen mit Asperger Syndrom sind seine etwas steife Sprache, seine Ordnungsliebe und insbesondere die Art, wie er die Welt empfindet. Er sieht die Besonderheit der Dinge, streicht z.B. liebevoll und fasziniert über Blattränder und gewinnt durch seine feinfühlige Art das Herz von Louise.

Insbesondere ihre Weise mit Pierre umzugehen, hat uns sehr gefallen. Sie hat es vermocht, ihren Fokus nicht auf das Trennende zwischen ihm und ihr, sondern auf das Verbindende zu richten und konnte die Besonderheit von Pierre wertschätzen. Das alles wurde nicht mit vielen Worten beschrieben, es waren kleine Gesten und Blicke, die so viel mehr gesagt haben, als große Worte. Die Empfindungen Pierres wurden nicht einfach benannt, die Zuseher hatten viel mehr die Möglichkeit, in seine Welt einzutauchen und somit zu verstehen, welch Gefühlschaos er in manchen Situationen durchlebte.

Eine für Pierre als unzumutbar erlebte Autofahrt mit Louise beispielsweise, bei der sie seine Appelle nach einem anderen Fahrstil nicht ernst nimmt und die in einem kleinen Auffahrunfall endet, treibt ihn unwillkürlich in die Flucht. Die Bilder werden beschleunigt, die Umweltgeräusche extrem laut dargestellt. Er nimmt Reißaus, setzt sich den Gefahren des umliegenden Verkehrs aus und zeigt den Zuschauern, dass es für ihn in Momenten des Stresses wirklich nur diesen einen Ausweg gibt: sich auf und davon zu machen.

Der Film ist eine wirklich sehenswerte, wundervoll erzählte Liebesgeschichte. Und hat uns einmal mehr gezeigt: es ist eine Frage der Perspektive, wie man Menschen, die unsere Wege kreuzen, erlebt. Das, was man schnell als anders und komisch empfinden mag, kann bei näherer Betrachtung auch sehr besonders und sogar besonders liebenswert sein. Wir dürfen diese Entscheidung bei jeder Begegnung neu treffen!

Text: Autismus Therapie Zentrum u. Claudia Casamento

Bild: © Neue Visionen Filmverleih GmbH