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HpH feiert krönenden Abschluss des Jubiläumsjahres

23.10.2017

Auf dem offiziellen Festakt am 20. Oktober 2017 kamen Vertreter aus Wirtschaft, Kirche, Politik, und Bildung zusammen und blickten in die Vergangenheit und Zukunft.

Obwohl sich zunächst jede Menge Regen auf den roten Teppich vor dem Eingang der Heilpädagogischen Hilfe Bersenbrück niedergoss, könnte man diese „Tränen des Himmels“ durchaus als Freudentränen deuten. Denn sowohl Stimmung als auch Atmosphäre waren beim offiziellen Festakt im Speisesaal der HpH-Hauptverwaltung von Anfang an sonnig.

Überrascht wurden die Gäste mit einem liebevoll und üppig dekorierten Saal, inspiriert vom baldigen Erntedank-Fest. Dezente Live- Klaviermusik stimmte auf das bevorstehende Programm ein. Zum Auftakt der Veranstaltung überraschte die zurückhaltende Pianistin, Agnessa Bechthold, dann aber das Publikum mit der eindrucksvollen Darbietung einer selbstkomponierten Ballade, die sie der HpH widmete. Die talentierte Musikerin ist Erzieherin im Kinderzentrum im Artland.

Stellvertretender Vorstandsvorsitzender Joseph Heile übernahm die Begrüßung der rund 120 erschienenen Gäste und führte durch das Programm des Vormittags. Im Rahmen einer kurzen ökumenischen Andacht betonten der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode und Hans-Georg Meyer-ten Thoren, Superintendent des evangelischen Kirchenkreises Melle-Georgsmarienhütte, dass gerade die Unterschiedlichkeit aller Menschen von Gott gewollt ist. Jeder von uns, mit all seinen Eigenschaften, wird gebraucht. Was nicht gebraucht wird, so waren sich die Geistlichen einig, sind Arroganz und Hochmut. Sie luden jeden einzelnen dazu ein, sich in Demut zu üben.

Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Schnebel hielt dann die Jubiläumsrede und nahm die Besucherinnen und Besucher mit auf die Reise durch fünf Jahrzehnte. Jedes für sich genommen war von anderen Umständen geprägt, jedes hatte seine Herausforderungen. Dass der Verein überhaupt gegründet wurde, ist einigen wachsamen „Fürsorgerinnen“ der damaligen evangelischen Inneren Mission und der katholischen Caritas zu verdanken. Sie erkannten den Bedarf vieler Familien mit Kindern mit Beeinträchtigung, die Unterstützung und Förderung dringend benötigten. Sie und einige weitere Unterstützer der Idee, traten an den Kreis Bersenbrück heran, der eine Vereinsgründung ermutigte. Unter dem Gründungsvorsitzenden, Schulrat Karl Urban, begann dann alles mit dem Bau einer „Tagesheimstätte“, die später zur Tagesbildungsstätte (Paul-Moor-Schule) wurde. Wie dann die Werkstätten, integrativen Kindergärten, diverse Wohnstätten und immer weiter spezialisierte Angebote nach und nach hinzukamen, stellte Schnebel mit beeindruckender Genauigkeit vor, so dass der aufmerksame Zuhörer danach das Gefühl hatte, von der ersten Stunde an mit dabei gewesen zu sein.

Ins Jetzt und hier zurück brachte dann die niedersächsische Ministerin für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung, Cornelia Rundt, mit ihrem Grußwort die Gäste. Sie betonte die Besonderheit der Ökumene innerhalb der HpH und beobachtete erfreut, wie deutlich die Umsetzung des Jubiläumsmottos „WIR“ innerhalb der Institution sichtbar sei. Die Entwicklung von „Zeiten des Zynismus“ hin zu einer Gesellschaft, in der Menschen mit Behinderung ganz selbstverständlich dazu gehörten mache Mut für die Schritte, die noch zu gehen seien. Einer dieser Schritte, sei das Bundesteilhabegesetz (BTHG). Die nun gesetzlich verankerten Rahmenbedingungen zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention, bedeuten eine verbesserte Teilhabe- und verstärkte Selbstbestimmungsmöglichkeiten für Menschen mit Beeinträchtigungen. Dass die Eingliederungshilfe personenzentriert weiterentwickelt und aus dem „Fürsorgesystem“ der Sozialhilfe herausgeführt wird, wertet sie als positiv und warb dafür, die mit dem Gesetz verbundenen Chancen für Menschen mit Beeinträchtigung zu nutzen.

Landrat Dr. Michael Lübbersmann lobte die gute Beziehung zur Heilpädagogischen Hilfe Bersenbrück und sprach sich aus für die Umsetzung ganzheitlicher Konzepte, die Bildungsteilhabe für jeden Menschen mit Beeinträchtigung, ermöglichen. Nach den letzten Jahren der rasanten Expansion, sieht er jetzt die Konsolidierung als wichtigste Aufgabe der Geschäftsführung.

Visionärisch zeigte sich HpH-Geschäftsführer Guido Uhl. Mit Blick auf die rasche Digitalisierung bieten technische Entwicklungen wie z.B. Sprachassistenten in Smartphones, 3D-Drucker oder Roboter nicht nur Chancen, sondern auch Risiken. Um zu gewährleisten, dass diese auch einen Nutzen für die Bedürfnisse von Menschen mit Beeinträchtigungen bieten, wünsche er sich einen Etat für Forschung und Entwicklung. Noch stärker läge ihm jedoch am Herzen, die wertschätzende Haltung, die Grundlage für unsere tägliche Arbeit ist, auf eine „Wertschätzende Weltsicht“ auszuweiten, ja, sie zu unserem universellen Grundwert zu machen. Die Zukunft erfordere „Liebe, den Mut, neue Wege zu gehen, Durchsetzungsfähigkeit, und Begeisterung, die es in einem selbst zu entfachen gilt, um andere mitzunehmen.

Den Abschluss der Veranstaltung bildete der Jubiläumsfilm, der das vergangene Jahr und seine Veranstaltungen auf kurzweilige Weise zusammenfasste. Eine weitere Besonderheit des Festakts war die Anwesenheit der Flip-Chart-Designerin Janine Lancker. Sie zeichnete und skizzierte während der Veranstaltung im Hintergrund auf zwei großen Leinwänden und brachte alle Redebeiträge auf einer großen, imposanten Zeichnung zusammen.

Text: Claudia Casamento

Bilder: Foto Hölzen