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„Viele Eltern müssen lernen, in ihre Kraft zu kommen.“

13.09.2016

Ein Gespräch mit Manfred Paukstat über die offene, psychologische Sprechstunde der Heilpädagogischen Hilfe Bersenbrück zu Entwicklungs- und Familienfragen

Quakenbrück, im September 2016. Das Büro von Hr. Paukstat ist gemütlich und einladend, „fast wie aus einem Film von Rosamunde Pilcher“- so hat es einmal eine Mutter ausgedrückt. Und dieser Vergleich ist gar nicht von so weit hergeholt. Gleichgewicht, Harmonie und vielleicht auch ein Stückchen heile Welt – danach sehnen sich viele Eltern, wenn es um die Erziehung ihrer Kinder geht. Und so oft stoßen sie dabei an ihre Grenzen. Das Kind will einfach nicht so, wie sie es gerne hätten, es zeigt ein Verhalten, das sich die Eltern nicht erklären können und oft fühlen sie sich schlichtweg überfordert mit einer bestimmten Dynamik, die immer wieder kehrt. Oder die Eltern erhalten vom Arzt eine Diagnose und sie wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen.

Für all diese Situationen hat Manfred Paukstat, Einrichtungsleiter des Kinderzentrum im Artland der Heilpädagogischen Hilfe Bersenbrück ein offenes Ohr. Er bietet schon seit einigen Jahren die offene, psychologische Sprechstunde zu Entwicklungs- und Familienfragen an, die von jeder Familie nach kurzer Voranmeldung genutzt werden kann. Auch findet das Angebot mobil in kooperierenden Kindergärten im gesamten Artland statt. Die Mehrzahl der Besucher dieser Sprechstunde sind bislang Mütter. „Sie sind oft sehr bemüht und auch reflektiert, fühlen sich in manchen Situationen aber alleine gelassen und kommen mit ihrem Kind nicht weiter. Manchmal ist es tatsächlich so einfach und es fehlt schlicht und ergreifend die Präsenz des Vaters. „Die Beschäftigung mit dem Kind muss auch gar nicht problemorientiert sein“, so Paukstat. „Es hilft schon oft sehr, wenn der Vater sich Zeit für das Kind nimmt und etwas gemeinsam unternommen wird, das beiden gleichermaßen Spaß macht.“

Die Mütter bestärkt er oft darin, „in ihre Kraft“ zu kommen. Ein klassischer Fall, den vermutlich viele kennen, ist, dass die Kinder ihre Mütter in öffentlichen Räumen, wie z.B. beim Abholen vom Kindergarten „vorführen“. Sie gebärden sich wie verrückt und nutzen ihr Umfeld als Bühne. „Hier entwickle ich gemeinsam mit der Mutter eine oder mehrere Verhaltensalternativen, die ausprobiert werden können. Danach kann die Sprechstunde wieder besucht werden und man prüft gemeinsam, was funktioniert hat und was nicht, um ggf. weitere Maßnahmen zu entwickeln. Es ist schwierig bei der Kindererziehung von richtig und falsch zu sprechen. Jedes Elternteil muss lernen, sich in seiner Rolle wohl und kraftvoll zu fühlen, das spüren die Kinder sofort und fühlen sich gleich aufgehobener“, erläutert Manfred Paukstat weiter. Oft kommen auch Eltern mit einer bestimmten Diagnose des Arztes und wissen nicht recht, was sie damit anfangen sollen. Ihr Gefühl sagt ihnen, dass sie diese Information nicht richtig annehmen wollen und das führt sie häufig in die Sprechstunde. Paukstat dazu: „Es ist auf jeden Fall richtig, seinem Gefühl nachzugehen und eine Diagnose auch mal in Frage zu stellen. Viele Verhaltensweisen lassen sich nun mal nicht nur auf ein bestimmtes Störungsbild reduzieren. Ich lade die Eltern dann dazu ein, mit mir das ganze System anzusehen, in dem das Kind aufwächst und gemeinsam zu überlegen, an welchen „Schräubchen“ gedreht werden könne, um dem Kind mehr Sicherheit zu geben. Das ist für alle Beteiligten nicht immer ganz einfach, aber wichtig, um nachhaltige Veränderungen herbei zu führen.“

Termine für die Sprechstunde können mit dem Einrichtungsleiter des Kinderzentrums im Artland Manfred Paukstat (paukstat@hph-bsb.de, Tel.: 05439-9419-24) vereinbart werden. Er erteilt auch Auskünfte über die Sprechstunden, die in kooperierenden Kindergärten im gesamten Artland stattfinden.

Heilpädagogische Hilfe Bersenbrück Abteilung Kommunikation Tel: 05439-9449-25 Email: kommunikation@hph-bsb.de www.hph-bsb.de