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„Mein Algorithmus muss passen“ - Maximilian Geers arbeitet trotz Beeinträchtigung im Tiergesundheitszentrum Grußendorf

Ordnung, feste Abläufe und klare Strukturen – das sind für Maximilian Geers keine Nebensächlichkeiten, sondern die Grundlage, um gut arbeiten zu können. Der 21-Jährige hat ein Anerkenntnis für einen Arbeitsplatz in einer Werkstatt für Menschen mit Beeinträchtigung (WfbM). Doch für ihn war schnell klar: Das ist nicht sein Weg. Stattdessen hat er seinen Platz auf dem ersten Arbeitsmarkt gefunden – im Tiergesundheitszentrum Grußendorf in Bramsche.

Nach dem Besuch der Paul-Moor-Schule, einer Tagesbildungsstätte für Kinder und Jugendliche mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung, wechselte er in den Berufsbildungsbereich (BOB) der Heilpädagogischen Hilfe Bersenbrück (HpH). Dort entwickeln Menschen mit Beeinträchtigung Perspektiven für ihre berufliche Zukunft. „Die Werkstatt war für mich keine dauerhafte Option“, sagt Geers. Zu viele Menschen, zu viele wechselnde Situationen. „Mein Algorithmus muss passen. Alles, was ihn stört, bringt mich ins Schaukeln.“ 

Der innere Arbeitsrhythmus

„Die Werkstatt war für mich keine dauerhafte Option“, sagt Maximilian Geers. Zu viele Menschen, zu viele wechselnde Situationen - der Alltag in einer Werkstatt für Menschen mit Beeinträchtigung war nur schwer mit seinem Bedürfnis nach einem ruhigen Arbeitsumfeld zu vereinbaren. „Mein Algorithmus muss passen. Alles, was ihn stört, bringt mich ins Schaukeln.“ Wenn Maximilian Geers von seinem „Algorithmus“ spricht, meint er keine Computerformel – sondern seinen ganz eigenen inneren Arbeitsrhythmus.

Also absolvierte er schon während des BOBs Praktika auf dem ersten Arbeitsmarkt und kam so zum Tiergesundheitszentrum Grußendorf in Bramsche. Die Tierarztpraxis ist ein Familienbetrieb in dritter Generation mit knapp 100 Mitarbeitenden und hat sich auf Vorsorge, Diagnostik, Therapie und Nachsorge von Hunden und Katzen spezialisiert. 

Einem Menschen mit Beeinträchtigung eine Chance zu geben, sei eine ganz bewusste Entscheidung gewesen: „Für uns stand der soziale Aspekt im Vordergrund“, erzählt Dr. Claudia Funcke, zu deren Aufgaben neben der Onkologie auch die Bereiche QM und Personal gehören. Mit einer anderen Angestellten, die ebenfalls eine Beeinträchtigung hat, habe man sehr positive Erfahrungen gemacht. „Maximilian hat sich im Praktikum sehr gut bewährt und bringt einen anderen Blickwinkel und frische Ideen mit ein. Also haben wir eine Stelle für ihn kreiert“, so Dr. Funcke.   

Feste Abläufe geben Sicherheit

Seit November 2025 arbeitet Maximilian Geers sozialversicherungspflichtig bei Grußendorf und ist vor allem für den Wäschedienst zuständig: Er wäscht und trocknet Kittel für die OP-Vorbereitung, Poloshirts, Handtücher der Physiotherapie, Kasaks und T-Shirts der tiermedizinischen Fachangestellten. Anschließend verteilt er alles nach einem klaren, von ihm und dem Betrieb entwickelten System in die Spinde. Zusätzlich kümmert er sich um die Kaffeemaschine im Personalraum und die Bereitstellung des Mitarbeiteressens. Um den Überblick zu behalten, hat Maximilian eigene Listen entworfen, auf denen er einzelne Arbeitsschritte abhaken und dokumentieren kann. "Was ich feiere, ist, dass ich hier meine eigenen Gedanken und Ideen einbringen und den Job selbst strukturieren kann. Die haben ein offenes Ohr dafür.“

Herausforderungen gehören dazu

Dass Geers‘ „Algorithmus“ manchmal ins Wanken gerät, zeigte sich zum Beispiel während einer umfangreichen Renovierung der Praxis. Zeitweise musste Geers in anderen Räumen arbeiten; seine gewohnten Strukturen waren plötzlich nicht mehr da. „Da war er erst einmal aus dem Takt“, erinnert sich Dr. Funcke. Auch wenn der Bus zur Arbeit Verspätungen hat, kann ihn das schnell aus dem Konzept bringen. „Es gibt nach wie vor Herausforderungen“, sagt Dr. Funcke, „aber es gab noch keinen Stein, den wir nicht passend schieben konnten – auch dank der Begleitung durch seinen Jobcoach.“ 

Jobcoaching als Brücke

Die Beschäftigung bei Grußendorf wird über das Budget für Arbeit gefördert. Dabei übernimmt die Eingliederungshilfe des Landkreises Osnabrück einen Teil des Gehalts und finanziert zusätzlich die Begleitung durch den Jobcoach Michael Baranowski von Talente, dem Fachdienst der HpH für berufliche Integration. Er begleitet Maximilian Geers ca. 1,5 Stunden pro Woche in der Praxis und unterstützt dabei, dass eine Lösung gefunden werden kann, wenn es irgendwo knirscht. „Mein Hauptjob ist das Vermitteln. Das Fachliche ist fast nie das Problem -schwieriger ist oft das Zwischenmenschliche“, so Baranowski. 

„Es hat anfangs etwas gedauert, Maximilians Besonderheiten zu verstehen“, erinnert sich Dr. Funcke. „Manchmal sitzt er einfach nur da und denkt nach. Heute wissen wir: In diesen Momenten arbeitet er gedanklich mit Hochdruck daran, seine Abläufe zu optimieren.“ Resümierend sagt Frau Dr. Funcke: „Es ist ein Geben und Nehmen und kostet Zeit – aber es lohnt sich. Max macht sich hier wirklich wertvoll. Wir sind froh, dass er gerne kommt.“ 

Und auch für den Störfaktor Bus ist eine Lösung in Sicht: In Zukunft möchte Geers mit einem E-Bike zur Arbeit fahren – damit sein Arbeitsalltag schon beim Weg dorthin im richtigen Takt beginnt.

Text und Fotos: Elisabeth Schomaker/HpH.

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