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Schichtwechsel bei der HpH: Neue Einblicke, viele Fragen und gegenseitiges Interesse

Wie sieht der Arbeitsalltag in einer Werkstatt für Menschen mit Beeinträchtigung aus? Was macht eigentlich ein Hausmeister im Schulbetrieb? Und welche Aufgaben übernimmt ein Kfz-Mechatroniker? Beim bundesweiten Aktionstag „Schichtwechsel“ am 24. September 2026 haben zwei Tandems der Heilpädagogischen Hilfe Bersenbrück (HpH) ihren Arbeitsplatz getauscht und dabei ganz unterschiedliche Arbeitswelten kennengelernt.

Einen Tag lang die Perspektive wechseln, andere Arbeitsbereiche kennenlernen, selbst mitarbeiten und miteinander ins Gespräch kommen. Darum geht es beim bundesweiten Aktionstag „Schichtwechsel“. Menschen mit Beeinträchtigung lernen dabei Unternehmen des allgemeinen Arbeitsmarktes kennen. Umgekehrt bekommen Mitarbeitende aus Unternehmen die Gelegenheit, Werkstätten als Orte der Teilhabe am Arbeitsleben zu erleben.

Bei der HpH waren in diesem Jahr zwei Tandems dabei: Thomas Hilgen und Timon Eichhorn sowie Laurin Finkemeier, Mark Strubbe und Marco Bruns. Sie verbrachten ihren „Schichtwechsel“ jeweils teilweise im Unternehmen beziehungsweise in der Einrichtung ihres Tauschpartners und teilweise am eigenen Arbeitsplatz.

Vom Hausmeister zum Kfz-Mechatroniker und zurück

Für den 59-jährigen Thomas Hilgen ging es am Vormittag ins Autohaus Wernsing, direkt gegenüber der Bersenbrücker WfbM. Thomas ist bei der HpH für Hausmeistertätigkeiten zuständig. Sein Tauschpartner war der 19-jährige Timon Eichhorn, der dort eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker macht.

Timon zeigte Thomas unter anderem, wie ein Ölwechsel durchgeführt wird, wie Reifen angezogen werden und wie Bremsbeläge ausgetauscht werden. Thomas konnte dabei einen Blick hinter die Kulissen der Kfz-Werkstatt werfen und erleben, wie vielfältig der Arbeitsalltag dort ist.

Am Nachmittag wechselten die beiden die Rollen: Timon begleitete Thomas auf seiner Hausmeistertour durch die HpH. Gemeinsam leerten sie Mülltonnen, kontrollierten, ob ausreichend Seife und Toilettenpapier vorhanden sind, und kümmerten sich um weitere Aufgaben, die im Hausmeisteralltag anfallen.

Für Timon war der Besuch in der WfbM eine interessante Erfahrung: „Es ist spannend zu sehen, was man hier in der Werkstatt so macht.“ Berührungspunkte mit Menschen mit Behinderung hatte er bereits früher. Schon während seiner Grundschulzeit gab es einen Austausch mit der Paul-Moor-Schule.

Hausmeisteralltag an der Grundschule

Auch der zweite Tausch führte in einen ganz anderen Arbeitsbereich. Der 19-jährige Laurin Finkemeier arbeitet in der WfbM im Metallbereich. Beim „Schichtwechsel“ bekam er Einblicke in die Hausmeistertätigkeiten an der Grundschule Badbergen.

Laurin half unter anderem beim Leeren der Mülleimer und lernte die Maschinen kennen, mit denen das große Schulgelände in Schuss gehalten wird. Eine besondere Herausforderung dabei: Die Arbeiten finden während des laufenden Schulbetriebs mit rund 160 Schüler*innen statt.

Am Nachmittag zeigte Laurin seinen Tauschpartnern Mark Strubbe und Marco Bruns seinen Arbeitsplatz in der WfbM. Dabei konnten sie unter anderem erleben, wie im Metallbereich gearbeitet wird. Laurin schweißte beispielsweise Schrauben für Förderbänder landwirtschaftlicher Maschinen.

Austausch auf Augenhöhe

Zum Abschluss des Tages trafen sich die Beteiligten zu einem gemeinsamen Kaffeetrinken in der WfbM. Mit dabei waren unter anderem Werkstattleitung Christina Hermann und Samuel Buling, Leiter der Autowerkstatt Wernsing. In gemütlicher Runde wurden die Eindrücke des Tages ausgetauscht und Fragen besprochen.

Für Mark Strubbe war der Besuch in der WfbM nicht völlig neu. Er ist bereits seit längerer Zeit Pate für einen anderen Beschäftigten mit Behinderung, der ebenfalls Hausmeistertätigkeiten für die Samtgemeinde Artland übernimmt. Trotzdem war es für ihn interessant, die WfbM einmal während des laufenden Betriebs kennenzulernen. „Alle haben Fragen gestellt und waren interessiert“, berichtet Strubbe über den Austausch. Auch Marco Bruns hat der Tag gut gefallen. 

Für Laurin war der „Schichtwechsel“ zugleich eine Gelegenheit, einen weiteren Blick auf berufliche Möglichkeiten zu werfen. Er kann sich gut vorstellen, perspektivisch auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu arbeiten.

Begegnungen schaffen, Perspektiven eröffnen

Genau darum geht es beim „Schichtwechsel“: Über das verbindende Thema Arbeit schafft der Aktionstag Raum für Begegnungen und neue Perspektiven. Beschäftigte aus Werkstätten können Unternehmen des allgemeinen Arbeitsmarktes kennenlernen, neue Berufsfelder entdecken und ihre Fähigkeiten zeigen. Mitarbeitende aus Unternehmen wiederum erleben die Vielfalt der Tätigkeiten in Werkstätten und können selbst praktisch mitarbeiten. 

„Interesse wecken und Tabus abbauen“, bringt HpH-Jobcoach Rainer Ortbrink das Ziel der Aktion auf den Punkt. Denn der direkte Kontakt macht es möglich, Fragen zu stellen, Erfahrungen zu sammeln und die jeweils andere Arbeitswelt kennenzulernen. So können Vorurteile und Klischees abgebaut und neue Kontakte geknüpft werden.

Bundesweit 5.000 Tauschpartner*innen

Der Aktionstag „Schichtwechsel“ wird auf Bundesebene seit 2019 von der Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen (BAG WfbM) koordiniert. Die Vielfalt der Tauschaktionen ist seitdem stetig gewachsen. Auch 2026 setzte der „Schichtwechsel“ seinen Erfolgskurs mit einem neuen Teilnahmerekord fort: Rund 400 Werkstätten beteiligten sich mit eigenen Tauschaktionen. Insgesamt waren rund 5.000 Tauschpartner*innen dabei, darunter etwa 3.000 Werkstattbeschäftigte und 2.000 Mitarbeitende des allgemeinen Arbeitsmarktes.

Auch die beiden Tauschaktionen bei der HpH haben gezeigt, was entstehen kann, wenn Menschen ihre gewohnte Arbeitswelt für einen Tag verlassen: neue Einblicke, persönliche Begegnungen, viele Fragen. Und vielleicht sogar neue Ideen für den eigenen beruflichen Weg.

Fotos: HpH, Autohaus Wernsing.

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