„Sexuelle Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen“
Seit Dezember 2023 kooperieren der Caritas-Verein Altenoythe, das Andreaswerk aus dem Landkreis Vechta und die Heilpädagogische Hilfe Bersenbrück eng mit der HEP-Schule Quakenbrück und richten reihum Fachtage für die angehenden Heilerziehungspfleger*innen aus. Die drei Träger der Eingliederungshilfe übernehmen damit praktische Schulungen, die die Inhalte des Lehrplans mit Praxiswissen ergänzen.
Dazu hatte der Caritas-Verein-Altenoythe Referentin Muriel Schilling angefragt. Die Sozialwissenschaftlerin aus Osnabrück promoviert zu dem Thema „Sexuelle Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen“ an der Humboldt-Universität zu Berlin und wurde bereits zum zweiten Mal in Quakenbrück durch Schulleiter Mathias Möller begrüßt.
„Die Schüler erhalten im Rahmen unseres Lehrplans Grundwissen. Durch den Fachtag entsteht die Möglichkeit, sich ausführlicher mit diesem Thema zu beschäftigen und sich tieferes Wissen und auch Verständnis anzueignen. Ich schätze es sehr, dass den Trägern an einer guten Ausbildung gelegen ist, und sie uns so unterstützen“, so Mathias Möller.
Die 50 angehenden Heilerziehungspfleger*innen des zweiten Ausbildungsjahres arbeiteten trotz sommerlicher Temperaturen an beiden Tagen engagiert mit. Nach einer Einführung in zentrale Begrifflichkeiten setzten sie sich intensiv mit gesellschaftlichen Vorstellungen und Vorurteilen gegenüber der Sexualität von Menschen mit Behinderungen auseinander. Gemeinsam wurde erarbeitet, wie diese Haltungen die sexuelle Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen beeinflussen können und welche Verantwortung Fachkräfte dabei tragen.
Im Mittelpunkt stand das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung, das sowohl in der UN-Behindertenrechtskonvention als auch im Grundgesetz verankert ist. In der Praxis erleben Menschen mit körperlichen, geistigen oder mehrfachen Behinderungen jedoch häufig Einschränkungen und Barrieren, wenn es um die Realisierung ihrer sexuellen Selbstbestimmung geht.
Anhand von Praxisbeispielen diskutierten die Teilnehmenden unterschiedliche Herausforderungen. Dazu zählen unter anderem Unsicherheiten im Umgang mit dem Thema, fehlende sexualpädagogische Konzepte in Einrichtungen sowie die Frage, wie Fachkräfte Klient*innen und Angehörige angemessen begleiten können. Deutlich wurde, dass sexuelle Bildung und die Förderung von Selbstbestimmung wichtige Bestandteile professioneller Unterstützungsarbeit sind.
Ein mögliches Ziel für Einrichtungen der Eingliederungshilfe sollte die Entwicklung eines sexualpädagogischen Konzepts sein. Dieses kann Orientierung für den Umgang mit Themen wie Beziehung und Partnerschaft, Prävention, Grenzachtung sowie die Zusammenarbeit mit Fachberatungsstellen bieten.
Mit diesem Fachtag ist eine Sensibilisierung für das Thema „Sexuelle Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen“ gelungen – und er zeigt, wie vielfältig dieses Berufsfeld ist.
