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5 Fragen an - Interview mit Oliver Braun

Der 31-jährige Oliver Braun erhielt erst Ende 2022 die Diagnose Autismus-Spektrum-Störung und bestätigt so viele Klischees wie er mit vielen verbreiteten Vorstellungen bricht. In seinem Vortrag "Hürden im Hirn" am 9. April 2026 in Bramsche berichtet er persönlich und anschaulich aus eigener Erfahrung und lädt zum Austausch ein.

HpH: Herr Braun, worum geht es in Ihrem Vortrag „Hürden im Hirn“?

Oliver Braun: Da geht es um die vielen Dinge, die in meinem Gehirn passieren, bevor ich landläufig als trivial eingestufte Tätigkeiten ausführe. Schnell mal einkaufen oder was essen sind nicht zu unterschätzende Projekte.

HpH: Sie haben Ihre Diagnose erst Ende 2022 erhalten. Was hat sich seitdem für Sie verändert?

Oliver Braun: Ich habe seitdem keine Ausrede mehr, meine Bedürfnisse als „Ach was, das muss ja jeder können“ abzutun. Daraufhin hat sich, dank Therapieunterstützung, so ziemlich jede große Säule in meinem Leben umgeformt. Zum Besseren, möchte ich meinen.

HpH: Welche Herausforderungen im Alltag werden von Außenstehenden besonders häufig unterschätzt?

Oliver Braun: Es sind meistens die kleinen Sachen. Wie toll ein Kaffee schmecken kann ist allumfassend, wenn die Socke verdreht ist, geht die Welt unter, und wenn etwas nicht so ist, wie es sein soll - das ist möglicherweise subjektiv -, dann herrscht Großalarm. Was für Außenstehende wie ein zähes oder bockiges Gehirn aussieht, sind unzählige bewusste Konstanten und sorgfältige Verbiegungen. Aber das zu erklären, lernt man meistens erst später im Leben.

HpH: Was wünschen Sie sich, dass die Zuhörer*innen aus Ihrem Vortrag mitnehmen?

Oliver Braun: Einen guten Mix aus Verständnis, Nicht-allein-Sein, Aha-Momenten und Lösungsinspiration.

HpH: Welche Botschaft möchten Sie Betroffenen und ihrem Umfeld besonders mitgeben?

Oliver Braun: Es gibt für uns alle eine Umgebung - das ist die Zusammensetzung aus Orten, Menschen, Routinen und Ambitionen -, wo wir am Platz sind. Wo die Hürden keine Hürden sind und wir uns für keine Gefühle schämen müssen. Und diese Umgebung zu suchen ist eine durchaus sinnvolle Mission für alle Beteiligten.

 

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