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„Hürden im Hirn“: Persönlicher Einblick und neue Perspektiven zum Welt-Autismus-Tag

Eine bis auf den letzten Platz gefüllte Wandelhalle im Bramscher Bahnhof und ein ebenso eindrucksvoller wie persönlicher Vortrag: Rund 80 Gäste folgten am 9. April 2026 der Einladung des Autismus Therapie Zentrums der HpH zum Vortragsabend „Hürden im Hirn“. Anlässlich des Welt-Autismus-Tages bot die Veranstaltung nicht nur fundierte Einblicke, sondern vor allem Raum für Austausch und Perspektivwechsel.

Im Mittelpunkt des Abends stand Oliver Braun, der erst Ende 2022 die Diagnose einer Autismus-Spektrum-Störung erhielt. In seinem Vortrag schilderte der 31-Jährige anschaulich, mit welchen oft unsichtbaren Herausforderungen er im Alltag konfrontiert ist – und welche Strategien ihm helfen, diese zu bewältigen.

Besonders eindrücklich beschrieb Braun den sogenannten „Overhead“, der vielen Handlungen vorausgeht: Bevor scheinbar einfache Tätigkeiten wie Einkaufen oder Duschen möglich sind, müssen zahlreiche Faktoren wie Zeit, Planbarkeit, Ressourcen und Abläufe gedanklich durchdrungen werden. Dieser zusätzliche mentale Aufwand bleibt für Außenstehende oft unsichtbar – prägt jedoch den Alltag vieler Menschen im Autismus-Spektrum erheblich.

Gleichzeitig machte Braun deutlich, wie wichtig klare Strukturen und Regeln für ihn sind. „Je mehr klar ist, desto entspannter kann ich sein“, erklärte er. Bereits in seiner Kindheit habe ihm das Aufwachsen in einer religiös geprägten Familie mit festen Strukturen geholfen. Auch seine Schulzeit habe er mithilfe eigener Strategien gemeistert: Indem er Schule als eine Art „Brettspiel“ verstand, entwickelte er Regeln, die den Alltag für ihn berechenbarer und damit bewältigbar machten.

Ein weiteres Beispiel für seinen kreativen Umgang mit Herausforderungen ist eine „soziale Batterie“, die er als Anstecker trägt. Sie signalisiert seinem Umfeld, wie viel Energie ihm aktuell für soziale Kontakte zur Verfügung steht – ganz ohne zusätzliche Worte oder nonverbale Signale.

Neben persönlichen Erfahrungen betonte Braun auch die Bedeutung von Therapie: Sie helfe ihm, eigene Möglichkeiten und Grenzen besser zu erkennen und individuelle Wege zu entwickeln. Sein Fazit: Therapie sei ein „Boxenstopp für die Seele“.

Die Veranstaltung, die von der HpH-Stiftung finanziell unterstützt wurde, zeigte eindrucksvoll, wie wichtig Aufklärung, Verständnis und Austausch im Umgang mit Autismus sind – und wie wertvoll persönliche Einblicke dabei sein können.

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